Schon unterwegs sahen wir Wasserfälle, die die Felsen hinunter schossen. Und so kam, was kommen musste: Unser geplanter Klettersteig war… ein Wasserfall. Wir schauten uns das Ganze eine Weile an, eher skeptisch als motiviert, und entschieden dann, dass das heute nichts wird. Axel zauberte Plan B aus dem Ärmel, weiter unten bei Santa Lucía de Tirajana gibt es ein kleines Klettergebiet. Also wieder ins Auto und runter. Dort schien sogar ein bisschen die Sonne, und an den Wind hatten wir uns inzwischen fast gewöhnt. Also optimistisch geparkt, Kletterzeug geschnappt und los. Man konnte das Klettergebiet schon sehen, nur leider nicht erreichen. Der Weg war nämlich unpassierbar. Was sonst ein gemütliches Bächlein ist, hatte sich in einen ordentlichen Fluss verwandelt. Wir setzten uns erstmal hin, öffneten ein Bier und starrten etwas ratlos auf die andere Seite. Tja. Sollte wohl nicht sein. In der Nähe liegt die
La Fortaleza de Ansite, eine markante Felsformation mit archäologischer Bedeutung. Also Plan C. Der Fels sieht tatsächlich ein bisschen aus wie eine Burganlage und besitzt eine große, durchgehende Höhle, fast wie ein Tor. Wir liefen hindurch, Axel suchte natürlich noch einen Cache, den ich mir klemmte - Schiss, und danach machten wir eine kleine Runde um die Anlage.
Da der Tag inzwischen sowieso eher in Richtung „Auto und gucken“ ging, fuhren wir weiter zum
Barranco de las Vacas, auch bekannt als Red Canyon. Unterwegs dann der kleine Schreckmoment: Im Auto ging eine Warnleuchte an. Luftdruck. Also schnell in eine Parkbucht und nachgesehen. Tatsächlich, vorne rechts sah der Reifen etwas traurig aus. Da war ich kurz vorm Nervenzusammenbruch. Aber gut, erstmal weiter zum Canyon. Wir stiegen ein Stück ins Tal hinab, sammelten an einer kleinen Steinbrücke noch einen Cache ein und liefen dann durch das trockene Flussbett bis zum Canyon. Er ist nicht besonders lang, erinnerte uns ein bisschen an eine ähnliche Schlucht in Rumänien, aber wirklich hübsch. Schon beeindruckend, was Wasser so alles formen kann, wenn es nur lange genug Zeit hat. Eine gute Stunde reicht völlig, vom Auto bis zum Canyon und zurück. Die nächste Tankstelle war zum Glück nur vier Kilometer entfernt. Nach Einwurf eines Euros und kurzem Studium des Automaten hatten wir dann auch wieder ausreichend Luft auf allen Reifen. Krise abgewendet. Etwas früher als sonst, gegen kurz vor sieben, waren wir zurück im Hotel. Duschen, ein bisschen rumlungern und dann nach acht zum Abendessen. Und wieder dieser Moment: einfach nichts tun müssen. Herrlich.