Dienstag, 8. September 2026

08.09 - Einer war auf dem Vogel

Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht klingelte früh der Wecker. Für Kaffee blieb diesmal keine Zeit, denn die kostenlosen Parkplätze an der Talstation der Kabinenbahn Vogel sind heiß begehrt. Wer zu spät kommt, steht unten im Tal. Unterwegs hielten wir noch schnell bei einem kleinen Bäcker und staunten nicht schlecht. Um halb neun war der Parkplatz oben bereits voller Autos. Freundliche Einweiser lotsten uns auf den letzten freien Platz. Perfekt! Jetzt konnte der Urlaub beginnen. Also erst einmal ganz in Ruhe Kaffee kochen, Brötchen schmieren und Zähne putzen. Hektik kann schließlich jeder. Dann kauften wir unsere Tickets. 66 Euro für Berg und Talfahrt. Nicht gerade günstig, aber die Aussicht sollte jeden Pfennig wert sein. Pünktlich um halb zehn schwebten wir mit der Seilbahn los. In gerade einmal fünf Minuten überwindet sie fast 1.000 Höhenmeter und bringt einen mitten hinein in die beeindruckende Bergwelt des Triglav Nationalparks.
Blick aus der Seilbahn

Frühstück am Parkplatz

Schattenspiel

es geht nach oben

Oben angekommen verschlug es uns erst einmal die Sprache. Vor uns ragte der mächtige Triglav in den tiefblauen Himmel. Ringsherum leuchteten die schroffen Gipfel der Julischen Alpen, grüne Almen zogen sich über die Hänge und über den Himmel zog kein Wölkchen. Genau für solche Momente fährt man los. Vor lauter Staunen verbummelten wir irgendwo Axels Kamera Wir liefen alles noch einmal ab, suchten zwischen den Aussichtspunkten und wurden mit jeder Minute nervöser. Die Stimmung war kurzzeitig komplett im Keller. Irgendwann beschlossen wir trotzdem aufzubrechen. Der Weg zum Vogel begann zunächst mit einem ordentlichen Abstieg, führte an einer zweiten Seilbahn vorbei und zeigte dann sein wahres Gesicht. Steil, schottrig und erbarmungslos bergauf. Jeder Schritt rutschte ein Stück zurück und die Sonne machte die Sache nicht gerade leichter. An der Bergstation der zweiten Bahn wurde das Gelände zunächst etwas freundlicher, ehe es einen kurzen, ausgesprochen unangenehmen Abstieg runter ging. Ohne meine Wanderstöcke hätte ich dort vermutlich deutlich länger gebraucht. Danach folgten felsige Passagen mit kleinen Felsbändern, über die man ständig hinauf und wieder hinunter klettern musste. Nach etwa einer Stunde musste ich mir eingestehen, dass zwei Dinge gleichzeitig zusammenkamen. Mir wurde schwindelig und ich wusste ganz genau, dass ich den gesamten Weg später auch wieder zurück musste. Mit ein wenig Überredungskunst konnte ich Axel überzeugen, den Gipfel allein zu erklimmen.
oben

Ausblick

Ziel

Icke, Herz und Triglav

Also drehte ich um. Und ganz ehrlich? Es war die richtige Entscheidung. Ich stieg langsam und mit vielen Pausen wieder ab, setzte mich immer wieder ins Gras und genoss dieses überwältigende Panorama. Manchmal muss man keinen Gipfel erreichen, um einen perfekten Tag in den Bergen zu erleben. Zwischendurch schickte Axel ein Foto, wie weit der Gipfel noch entfernt war. Da war ich mit meiner Entscheidung endgültig im Reinen. Zurück an der Bergstation fragte ich eher aus Hoffnung als aus Überzeugung nach der Kamera. Und tatsächlich hatte ein ehrlicher Mensch sie im Souvenirshop abgegeben. Vor lauter Erleichterung kamen mir erst einmal die Tränen. Es gibt sie eben doch noch, die guten Menschen. So glücklich suchte ich mir anschließend ein schattiges Plätzchen. Brötchen, ein kühles Bier und ein gutes Buch begleiteten den Nachmittag. Trotzdem wanderte mein Blick immer wieder hinaus auf den Triglav. So nah und für mich doch unerreichbar. Axel war allein natürlich um Welten schneller unterwegs und stand bereits gegen Viertel vor vier wieder grinsend vor mir. Bei einem gemeinsamen Bier erzählte er von seiner Gipfeltour und um halb fünf schwebten wir wieder gemütlich ins Tal.
Herrliche Bergwelt

soviele Steinmännlein

Triglav im Hintergrund

zwei Steinböcke

Meldung zwischendurch

Blick von Oben 

und noch einer

Bevor wir zum Stellplatz zurückkehrten, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einem historischen Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg. Die stillen Reihen der Grabsteine erinnerten daran, dass diese friedliche Berglandschaft einst Schauplatz der blutigen Isonzo Front war. Natürlich lag dort auch noch ein Cache, der mitgenommen werden musste. Ein kurzer Einkauf im SPAR brachte frisches Gemüse in den Bus und am Abend zauberte ich eine herzhafte Fleisch, Gemüse und Bulgur Pfanne. Genau das Richtige nach so vielen Höhenmetern. Leider verspricht der Wetterbericht für die kommenden Tage deutlich schlechteres Wetter. Deshalb hat Axel schweren Herzens seine geplante Hüttenübernachtung am Triglav abgesagt. Mal sehen, wohin uns der Wind nun treibt.

Schlafplatz: Stellplatz bei Bohinjska Bistrica
Wetter: unten sehr warm, oben reichlich 20 grad
Essen: Pfanne mit Bulgur
Überblick

Soldatenfriedhof

Rundumblick


Montag, 7. September 2026

06.09 + 07.09 Auf nach Slowenien

Zwei Wochen Urlaub sind in diesem Jahr alles, was uns bleibt. Also fiel die Wahl auf Slowenien. Und wenn die Zeit knapp ist, muss schon die Anreise Teil der Erholung sein. Unser Startschuss fiel am Sonntag gegen Mittag. Vorher besuchten wir noch Axels Eltern. An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön für den großzügigen Zuschuss zu unserem Urlaub! In Deutschland wanderten noch schnell 20 Euro in den Tank, bevor wir in Ústí nad Labem an unserer Stammtankstelle Grummel randvoll machten. Diesmal gab es sogar Superdiesel. Offenbar wusste unser treuer Bus das zu schätzen, denn er schnurrte völlig entspannt bis in die Gegend von Kaplice, nur wenige Kilometer vor der österreichischen Grenze.

wird immer weniger, was wir mitnehmen

Urlaubsstartritual

Prost

Köchin an Bord

Eigentlich wollten wir dort noch einen Cache suchen und gemütlich zu Abend essen. Der Essensteil des Plans scheiterte allerdings an der Realität. Die angepeilte Dorfkneipe servierte am Abend ausschließlich Bier. Kein Essen. Nun gut … dann eben Bier. Unser Schlafplatz entschädigte dafür umso mehr. Abseits der Straße, versteckt an einem kleinen, stillen Teich, fanden wir einen wunderbar ruhigen Platz für die Nacht. Während die Abendsonne das Wasser golden färbte, vernichtete Axel den restlichen Hackepeter. Kurz darauf krochen wir zufrieden ins Bett und wurden mit einer herrlich ruhigen Nacht belohnt.

erster Schlafplatz

romantisch am See

waren auch mit

erstes Urlaubsbier
Bett fertig machen 

Am Montag ließen wir den Morgen ganz entspannt angehen. Der zweite Fahrtag führte uns quer durch Österreich bis nach Slowenien. Noch schnell die Tagesvignette inklusive Karawankentunnel online gebucht und schon rollte Grummel wieder los. Zunächst ging es über die Autobahn, später schlängelte sich die Straße durch malerische Täler, vorbei an saftig grünen Wiesen, schroffen Berggipfeln und unzähligen kleinen, liebevoll gepflegten Dörfern. Genau diese Landstraßen machen eine Anreise manchmal schöner als jedes Reiseziel. Ein besonderes Highlight war unsere Kaffeepause. Der Cappuccino wurde tatsächlich von einem Roboter frisch gemixt. Irgendwie skurril, ziemlich unterhaltsam und überraschend lecker.

unterwegs

Grenze - nicht ganz ernst gemeint

Ausblick bei der Fahrt

Barista-Roboter

da ist der Kaffee

Am Nachmittag erreichten wir endlich Bled. Menschenmassen, endlose Blechlawinen und drückende Hitze empfingen uns am wohl bekanntesten See Sloweniens. Von der romantischen Postkartenidylle war zunächst wenig zu spüren. Trotzdem spazierten wir gemütlich bis ans Ufer des Bleder Sees. Der Blick auf die hoch über dem türkisfarbenen Wasser thronende Burg war wunderschön, auch wenn das Gegenlicht das Fotografieren etwas schwierig machte. Natürlich durfte auch das obligatorische Foto am Herz von Bled nicht fehlen. Den Abschluss unseres Aufenthalts bildete ein frisch gezapftes Laško. Während wir unser Bier tranken, waren Axel und ich uns erstaunlich einig: Nix wie weg hier.

See Bled

angekommen

schön kalt

Knapp eine Stunde später folgte die nächste Überraschung. Unser geplanter Campingplatz war komplett ausgebucht. Und zwar bis zum 21. September. Das war so ziemlich das Letzte, womit wir gerechnet hatten und hätte unseren gesamten Urlaubsplan durcheinandergebracht. Zum Glück fand Axel etwa zwanzig Minuten entfernt einen einfachen Stellplatz, auf dem man für 20 Euro ganze 24 Stunden stehen darf. Perfekt war anders, aber manchmal sind genau solche spontanen Lösungen die Rettung des Tages. Zum Abendessen gab es einen simplen Nudeltopf mit Hackklöpschen aus der Dose. Ehrlich gesagt fehlte mir nach diesem Tag jede Motivation zum Kochen. Mit etwas Bier, einem Glas Sekt und einem Schluck Wein war der Frust über den ausgebuchten Campingplatz schließlich verflogen.

Schlafplatz: 1.Nacht: am Teich bei Kaplice / 2.Nacht: Stellplatz bei Bohinjska Bistrica
Wetter: Sonnig und außergewöhnlich warm
Essen: Abend 1: Restlicher Hackepeter / Abend 2: Nudeltopf mit Hackklöpschen

Geschichte am Bleder See

am Stellplatz



Samstag, 25. April 2026

Zugfahrt mit den Berglustigen

Wochenlang plante Matze seine erste Tour für den TK Berglust 06. Fein säuberlich stand sie im Tourenkalender und es fanden sich einige Interessierte. Dann schlug der Krankheitshammer zu. Es erwischte mehrere Mitfahrer und zu guter Letzt den Tourenführer selbst. Doch Matze schaffte es, in der Nacht davor aus der Notaufnahme heraus Axel als Vertretung zu gewinnen. Am Samstag trafen sich dann sechs Leute am Bahnhof Mitte. Gerry hatte sich schon ein Ticket nach Holzhau gebucht, wir anderen konnten dank Deutschlandticket erst einmal losfahren. Unterwegs stiegen dann noch drei weitere Mitstreiter zu. Gut, dann fahren wir eben zu neunt Bahn. Während wir anderen schon quatschten, vertiefte sich Axel in den weiteren Ablauf. Das Umsteigen in Freiberg klappte ganz hervorragend und wir begannen, die Fahrt mit der kleinen Bimmelbahn zu genießen. 
ab zur Bimmelbahn

eindeutig unsere

letzte Station in Deutschland

Von Holzhau aus stand erst einmal ein Fußmarsch zum Bahnhof Moldava an. Unsere Ursel, immerhin schon stolze 80 Jahre alt, stapfte unmittelbar nach der Ankunft in Holzhau los und wir anderen brav hinterher oder vorneweg. Einer blieb immer bei ihr. Es war ein reines Vergnügen, durch die idyllische Landschaft zu wandern. Das Wetter wurde zusehends besser, Rauhreif auf den Wiesen, aber Sonne von oben und im Herzen. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass es für Ursel doch zu weit bis zum Bahnhof Moldava ist. Kein Problem, wir planten um. In Moldava warteten wir dann picknickend und Bier trinkend eine gute Dreiviertelstunde auf einen Bus nach Teplice. Es wäre ohnehin kein Zug, sondern ein Schienenersatzverkehr gefahren, da war es egal. In Teplice hatten wir guten Anschluss nach Chomutov und die Pause reichte aus, um ein Bierchen für die Weiterfahrt zu organisieren. Kaum angekommen, gab es vom Tourenführer den Vorschlag, zum Globus zu gehen, etwas zu essen und danach noch schnell in ein Kneipchen einzukehren. Es ist kaum zu fassen, dass wir das tatsächlich in den zwei Stunden geschafft haben. Gemütlich aus dem Fenster schauend zuckelten wir anschließend hinauf nach Kupferberg. 
ganz ohne Grenzkontrolle
Wegweiser

idyllisch

Jegliche Anspannung, von der Frage nach der richtigen Fahrkarte bis hin zu der Sorge, ob Ursel den nächsten Zug schafft, fiel von allen ab und es blieb nur noch Genuss. In Kupferberg begrüßte uns die Sonne und wir verbrachten den restlichen Nachmittag beim kleinen Kirchlein auf dem Berg mit atemberaubenden Blicken ins Land. Danach kehrten wir in die Kneipe ein. Es floss reichlich Bier, es gab etwas zu essen und viel Gelächter. Einer kümmerte sich um unsere Zimmer und unser Freund Gregor unterstützte Axel beim Suchen nach Alternativen für den Heimweg. Der Tag forderte dann gegen halb zehn bei den Ersten seinen Tribut. Der harte Kern hielt länger durch und stapfte mit mit Bier gefüllten Plastikflaschen gegen 22 Uhr zur Unterkunft, um dort weiter zu verweilen. Bedauerlich für mich und Axel verwandelten sich zwei von uns in gefährliche Raubtiere oder eben in regelrechte Sägewerke, sodass wir schließlich in der Küche auf dem Boden schliefen. Der Sonntag startete mit Regen und Kälte. Da war es nicht schlimm, dass wir beschlossen, den kürzesten Heimweg zu nehmen und keine zusätzlichen Schleifen mehr zu fahren. 
Rumpal oder eben Windebaum

der Deckel
Kupferberg

Blick durch ein Loch im Gitter

Pünktlich um acht saßen wir beim Frühstück und Ursel brach rechtzeitig auf, damit wir den Zug um neun Uhr erreichen. Das gelang uns auch. Sehr abwechslungsreich ging es zurück nach Dresden. Zuerst mit der Minibimmelbahn nach Cranzahl, von dort weiter mit dem Zug nach Flöha, wo wir Gregor bereits verabschiedeten, und anschließend noch eine Station bis Oederan. Dann brachte uns der Schienenersatzverkehr nach Freiberg und von dort ging es weiter mit dem Zug nach Dresden-Plauen. In Tharandt verabschiedeten sich zwei weitere Mitreisende und der klägliche Rest löste sich schließlich in Dresden-Plauen auf. Axel, ich und Ursel beendeten damit die Berglustausfahrt. Es war ein abwechslungsreiches Wochenende, anders als geplant, aber schön. 




unterwegs


Blick ins Land vom Kupferberg

vorm Kapellchen

Da fehlt nur ein Stück Hinfahrt